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Venedigs versteckte Seiten

Mit dem Kajak durch die Lagunenstadt

Der Markusplatz und die Rialtobrücke gehören zu jedem Venedig-Besuch fest dazu. Wirklich angenehm ist das in dem Gedränge aber nicht. Viel entspannter geht es dagegen bei einer Paddeltour zu – Einblicke in den Alltag der Venezianer inklusive. Anna Rettig hat sich ins Boot gesetzt und die Lagunenstadt erkundet.

Wie viele Touristen wohl schon Fotos von uns gemacht haben? Mittlerweile müssen es schon jede Menge sein. Auch jetzt hat uns wieder ein Besucher aus Japan entdeckt. Er hält an, fokussiert mit seiner Kamera und drückt gleich ein paar Mal ab. Klick, klick, klick! Wir sind in Venedig, umgeben von prächtigen Palazzi und zahlreichen Kulturschätzen. Doch wir stehen nicht etwa in den Menschenmengen auf der Rialtobrücke oder dem Markusplatz. Nein, wir sind mit Kajaks unterwegs durch die Lagunenstadt – und werden mit unseren knallbunten Booten in den schmalen Kanälen schnell selbst zur vielfotografierten Touristenattraktion.

Text/Bilder: Anna Rettig

René Seindal sind die kleinen Menschenaufläufe in unserer Nähe egal. Er ist die Blicke gewohnt, schließlich paddelt er schon seit Jahren durch Venedig. Langweilig wird ihm dabei aber nie. »Gerade mit dem Kajak erlebst du Venedig immer wieder aus einer neuen Perspektive«, sagt der 51-Jährige. »Normalerweise will man ja paddeln, um aus der Stadt raus zu kommen. Hier machen wir aber genau das Gegenteil und fahren rein.«

Denn selbst wer Venedig schon gut kennt und bereits häufiger durch die vielen Gassen gelaufen ist: Mit dem Kajak entdeckt man neue Facetten – und eine ziemlich andere Stadt. »Du kannst ein unverstelltes Venedig sehen, ohne die Touristenfassaden«, findet der Däne René, der seine nordische Heimat schon vor langem Richtung Italien verließ und in Venedig sein Hobby zum Beruf machte. Tatsächlich werden wir in den kommenden Stunden den Touristen-Epizentren entfliehen und stattdessen einen seltenen Einblick in das Alltagsleben der Venezianer bekommen.

Vorbei an Wäscheleinen und dem Wochenmarkt

Von der kleinen Insel Certosa aus, wo René seine Boote von »Venice Kajak« liegen hat, paddeln wir kurz über einen breiteren Kanal und sind schon mittendrin im Stadtteil Castello. Über den schmalen Kanal sind von Haus zu Haus Leinen gespannt. Gerade hängt eine Frau ihre Wäsche auf. Über uns flattern Hemden, Bettlaken und Unterwäsche im leichten Wind. Etwas weiter sitzt ein Ehepaar auf seinem kleinen Balkon knapp überm Wasser und trinkt Kaffee. Und auf einem Platz, der sich von den Seitengassen zum Kanal hin öffnet, laufen spielende Hunde umher.

Andere Touristen sehen wir nicht. Zu Fuß hat man schließlich nicht die Gelegenheit, so gemächlich an der Rückseite der Wohnhäuser und Hotels entlangzulaufen. »Das Tolle ist, dass wir mit den Kajaks fast überall hin dürfen, selbst in Einbahn-Kanäle«, erzählt René, während wir nahe der Via Garibaldi an dem Wochenmarkt vorbeipaddeln, wo die Händler ihre Waren von Booten aus verkaufen.

In diesen Wohnbezirken sieht man auf den Kanälen auch aus der Nähe, wie das Wasser den Gebäuden teilweise zusetzt. Vor Jahrhunderten schon wurden in den Boden der Lagune unzählige Holzpfähle gerammt, auf denen man die Häuser errichtete. Mittlerweile aber klatschen von den vorbeirasenden Booten immer wieder Wellen an das Gemäuer, und die massigen Kreuzfahrtschiffe lassen den Wasserpegel steigen. In einigen Häusern ist das unterste Geschoss bereits unbewohnbar oder steht zumindest immer mal wieder unter Wasser.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 06/2016.

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