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Quadrathlon: Neben Paddeln auch noch Laufen, Rad fahren und Schwimmen

Lisa und Stefan Teichert siegten beim Quadrathlon Deutschland-Cup

Strahlender Sonnenschein liegt über dem Ratscher Bergsee in Thüringen. Ganz dezent kräuselt der leichte Wind die Wasseroberfläche. Am Rand steht eine überschaubare Truppe von Quadrathleten, die auf den Startschuss zum letzten Rennen im Deutschland-Cup wartet. Teils in Neoprenanzügen, einige ohne, weil die Temperaturen es erlauben.

Der Quadrathlon Deutschland-Cup ist eine Serie, die landesweit neun Rennen umfasst. Ein sehr erfolgreicher Cup, der besonders bei älteren Athleten beliebt zu sein scheint. Außerdem werden hier in und um den Bergsee in der Nähe von Schleusingen die Deutschen Meisterschaften im Sprint ausgetragen. Quadrathlon umfasst die klassischen Triathlon Disziplinen, also Schwimmen, Rad fahren und Laufen. Dazu kommt dann noch Kajak fahren, technisch anspruchsvoll und deshalb liegen die meisten Veranstaltungsorte in Gebieten mit vielen Wasserstraßen und Seen, wo man bereits früh mit der Fortbewegung auf dem Wasser in Berührung kommt. Die Teilnehmerzahlen sind schwankend, aber selten über 50. Bei den meisten Rennen entstehen für die Veranstalter keine großen organisatorischen Probleme, weil die Rennen einfach in bestehende Events integriert werden können. Schwierigkeiten logistischer Art haben eher die Athleten, die ihre Boote quer durch die Republik transportieren müssen. Beim Quadrathlon läuft alles ehrenamtlich, die Funktionärsarbeit beim Dachverband, der Quadrathlon-Allianz stemmen wenige. Umso erstaunlicher, dass solch eine umfangreiche Serie wie der Deutschland-Cup ohne schwerwiegende Beanstandungen durchgezogen wird.

Die Reihenfolge der Einzelsportarten ist nicht zwingend festgeschrieben. Beim Deutschland-Cup sind allerdings auch Veranstaltungen vertreten,  bei denen eine der klassischen Triathlon-Sportarten fehlt. So wird beispielsweise beim Kanu-Triathlon in München auf den Schwimmpart verzichtet.

Der Startschuss ist erfolgt. Die Wasseroberfläche schäumt, brodelt im prallen Sonnenlicht. Die Athleten versuchen, sich eine günstige Position beim Schwimmen über 750 Meter im idyllisch gelegenen Bergsee zu erkämpfen. Doch nach kurzer Distanz ist das Feld wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen in der Schwimmleistung weit auseinandergezogen. Es folgt eine mittelschwere Radstrecke über 20 Kilometer. Danach geht’s ins Kajak: 4 Runden von insgesamt 4,6 Kilometer müssen zurückgelegt werden. Und hier scheidet sich dann endgültig die Spreu vom Weizen – die Abstände vergrößern sich. Vom Boot dann auf die Laufstrecke. Der Kreislauf muss sich wieder umstellen. 5 Kilometer sind noch zu bewältigen, wenn die Beine schon schwer sind und die Arme wie Blei am Körper herunterhängen.

In Thüringen kam der Ungar Ferenc Csima nach 1:29:39 Stunden als Erster im Ziel an, allerdings nach hartem Kampf mit dem deutschen Vorzeige-Quadrathleten, dem Eppelheimer Stefan Teichert (WSC Heidelberg/1:30:16)), der zwar beim Schwimmen, Rad fahren und Laufen schneller war als der Ungar, aber halt 3 Minuten beim Paddeln einbüßte und sich deshalb mit Platz zwei begnügen musste. Allerdings blieb ihm Gold bei der DM-Wertung. Erfolgreicher war seine Frau, Lisa Teichert (früher Hirschfelder)  vom WSC  Heidelberg/1:44:52 Stunden, die nicht nur klar das Rennen in Thüringen dominierte, sondern auch beim Deutschland-Cup ganz vorne lag.

Soweit bekannt wurde der erste Quadrathlon 1987 auf Ibiza durchgeführt. Ehemals als Langdistanz, heute ist eine Mitteldistanz geblieben. Davor hatte es bereits erste Versuche in Ungarn gegeben, die allerdings scheiterten. Der Sport entwickelte sich. Und heute sind die aktiven Nationen in der World Quadrathlon Federation (WQF) zusammengeschlossen.

Die diesjährige Serie begann am 1. Mai beim Kanutriathlon in München. Zu laufen waren 3,5 Kilometer, dann waren auf dem Rad 15 Kilometer zurückzulegen und abschließend noch 4 Kilometer zu Paddeln, auf einer Strecke, die einige Schwierigkeiten aufwies.

Es folgte der Sprint beim Frühjahrs Quadrathlon in Gimbsheim in Rheinhessen. Eine vom Triathlon bekannte Jedermann/frau-Distanz (500m Schwimmen, 20 Kilometer Rad fahren, 5 Kilometer Laufen) stand auf dem Programm, allerdings mit der Besonderheit, dass vor dem Laufen noch 4 Kilometer gepaddelt werden mussten. Die meisten Quadrathlon-Veranstaltungen sind integriert in andere kleinere Ausdauerevents, meistens in Triathlonwettkämpfe. Gerade dieser familiäre Charakter, die Kontrahenten aus den vergangenen Jahren wiederzusehen und das gegenseitige Kennen gefällt vielen Aktiven.

Das Gegenteil war beim Wasserstadt-Quadrathlon Anfang Juni in Hannover der Fall. Der Quadrathlon war Bestandteil einer Mammutveranstaltung, des zweitägigen Triathlons mit über tausend Teilnehmern. Neben dem Sprint wurde auch die Quad-Mitteldistanz mit 1,9 km Schwimmen, 60 km Rad fahren, 10 km Kajak und 10 km Laufen angeboten. Weitere Sprintrennen folgten beim Koberbachtal-Quadrathlon in Sachsen und dem Schorfheide-Quadrathlon in Angermünde, wo die Radstrecke Crosscharakter aufwies und mit dem Mountainbike befahren werden musste. Auch beim Kanutriathlon in Kehlheim an der Donau kam das MTB zum Einsatz: 5 km run, 15 km MTB und 4 km Kajak, also ein Sprint, der es in sich hatte. Danach wieder ganz in den Norden, ins Havelland, nach Rathenow. Beim Wassersupper Quadrathlon waren nach den üblichen Triathlon-Distanzen noch 3 km im Kajak zurückzulegen. Finale dann am Bergsee bei Schleusingen in Thüringen.
Bei den Ergebnissen alles wie in den Vorjahren gehabt: Seit 2012 siegten in der Gesamtwertung des Deutschland-Cups Stefan Teichert und bei den Frauen Lisa Teichert.

Autor: Eberhard Jung

Info: www.Quadrathlon4you.com

 

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