Aktuelle Ausgabe

Baltic Experience

Mit Kanu und Bulli durchs Baltikum

Das Baltikum – Litauen, Lettland und Estland – umweht ein mystischer und widersprüchlicher Hauch. War da nicht etwas mit singender Revolution und einer tiefen Naturgläubigkeit der Menschen, die noch heute »beseelte Quellen und Haine« aufsuchen? Wie verträgt sich das mit der modernen Zeit und den baltischen Boomstaaten, den »Baltic Tigers«? Was wissen wir in Deutschland eigentlich von den drei Baltenrepubliken? Meist erschöpft sich dieses Wissen mit der Sowjetunion und deren Ende – und weiter? Endlose Naturlandschaften soll es geben, Elche, Vielfraße, Bären und unendlich viele Paddelgewässer. Grund genug für Yvonne Ziermann, sich mit »Bulli« und Kanu auf den Weg zu ihrer »Baltic Experience« zu machen.

Text/Bilder: Yvonne Ziermann

Weit ist der Weg nach Kalvarija

Der Bulli ist voll gepackt für zwei Wochen Abenteuer, so, dass wir uns autark bewegen können und möglichst wenig auf Campingplätzen stehen müssen. Für diese Tour wollen wir mal etwas Neues ausprobieren und haben einen 17’’ Osagian Missourian Alu-Canadier aufgeladen. Das Heckspiegel-Kanu ist zwar deutlich schwerer als die Kunststoffkanus, die wir sonst fahren, hat aber den Vorteil, dass wir unseren Torqeedo Elektro-Außenborder zusätzlich verwenden können, um auf den weitläufigen Seen, in Anbetracht unseres begrenzten Zeitfensters, auch in entferntere, sehenswerte Winkel vordringen zu können.

Auf Flüssen werden wir paddeln, aber auf Seen schon das ein oder andere Mal den Motor anbauen. Darüber hinaus hoffen wir, dass in Anbetracht einer größeren Zahl an Alubooten aus sowjetischer Zeit ein Aluboot weniger attraktiv für einen möglichen »Bootssammler« sein wird, was zusätzlich durch die stattlichen 45 Kilo Eigengewicht erschwerend hinzukommt.

Von Blankenstein fahren wir zügig an die Oder, nach Küstrin und hinein nach Polen in Richtung Bydgoszcz/Bromberg. In Długie finden wir an einem malerischen See ein ruhiges Nachtquartier auf einem kleinen Campingplatz, der offensichtlich noch nicht geöffnet hat, an dem sich aber schon Camper eingerichtet haben. Früh am nächsten Morgen fahren wir zügig weiter durch Bydgoszcz, Grudziądz, Ostróda, Olsztyn, Mrągowo,
Olecko und Suwałki bis an die litauische Grenze, die wir bei fortschreitender Abenddämmerung erreichen. Polen zieht sich, nur gut, dass die Orlen-Tankstellen Cappuccino in guter Qualität anbieten, den wir reichlich brauchen, denn Autobahnen sind Mangelware. Kilometerfreßerei auf klassischen Landstraßen, und aus dem Auto-CD-Player klingt BAPs »Bleifooß«.

Litauen. Wir sind wieder im Euroraum, und die Umrechnerei in Polen hat ein Ende. Wir genießen auch das grenzenlose innereuropäische Reisen. Hier ist es noch möglich, anders als leider nach Slowenien oder Kroatien. Bei Naujienèlè biegen wir von der A5 ab und folgen dem Hinweisschild zum »Marijampolès kempingas« durch Kalvarija, genug für heute. Auf dem gepflegten Gelände sitzen einige Litauer beim Grillen, Singen und Trinken, und auch ein Wohnmobil aus Deutschland
ist da.

Ein kleiner »Erkundungsflug« mit dem Multicopter zeigt ein malerisches Weichbild einer Fluss- und Seenlandschaft. Schnell noch eine Kleinigkeit essen und ab in die Koje. 1.200 Kilometer liegen hinter uns und eine Stunde Zeitunterschied »in die Zukunft«. Die weißen Nächte kündigen sich an und es wird erst spät und nicht ganz dunkel, es glimmt noch ein silbriger Schleier durch die Nacht.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 05/2016.

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