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Ideales Kajakterrain

Wo Mykonos noch ist wie früher

Die Kykladen-Insel steht bei Stars und Prominenten hoch im Kurs. Doch im Norden von Mykonos merkt man von dem Trubel rund um die Altstadt nichts. Stattdessen gibt es hier unberührte, menschenleere Natur. Anna Rettig entdeckte beim Paddeln Höhlen, Fels-Drachen und einsame Strände.

Text/Bilder: Anna Rettig

Die Kykladen-Insel steht bei Stars und Prominenten hoch im Kurs. Doch im Norden von Mykonos merkt man von dem Trubel rund um die Altstadt nichts. Stattdessen gibt es hier unberührte, menschenleere Natur. Anna Rettig entdeckte beim Paddeln Höhlen, Fels-Drachen und einsame Strände.

Das Wasser ist glasklar. Ein Schwarm kleiner Brassen zieht vorbei, auf dem Grund sind Muscheln zu erkennen und unter einem Felsvorsprung entdecken wir einen Oktopus. Andere Menschen treffen wir hier nicht, in der Panormos Bucht im Norden von Mykonos. Während im Westen und Süden der griechischen Insel die Partyhochburgen liegen und sich Prominente gern eine luxuriöse Auszeit gönnen, scheint in dieser Region die Zeit stehengeblieben zu sein: nur ein paar kleine Dörfer, kaum asphaltierte Straßen, dafür unberührte Natur – ideale Bedingungen zum ungestörten Paddeln.

Ausgangspunkt ist der Strand Agios Sostis, laut Internetportal Tripadvisor einer der schönsten Strände der Insel. Breit ist er, ohne Liegen und Schirme, und unter den Füßen spüren wir den feinen Sand. Doch weil hier eben keine großen Straßen herführen, haben wir den Strand für uns allein. Wir springen einmal kurz zum Abkühlen ins Wasser, dann sitzen wir bei angenehmen 22 Grad und einer leichten Brise auch schon in den Kajaks und paddeln los.

Am Ufer sehen wir zunächst noch verstreut ein paar Häuser auf den Felsen. Wie überall auf den Kykladen sind sie weiß getüncht, und ihre Türen und Fenster heben sich mit ihrem strahlenden Blau davon ab. »Die gesamte Bucht wurde vor kurzem unter Schutz gestellt«, erzählt Kajak-Guide Jo Siopiros, die mit ihrer Familie seit langem in der Nähe des Strandes lebt. »Hier darf jetzt nichts mehr bebaut werden.« Und tatsächlich: Schon bald gibt es entlang der Strecke auch keine Häuser mehr, stattdessen schweift der Blick über die raue, eher karge Küste.

Eine Insel voller Marmor

Kurz darauf passieren wir zwei Felsbrocken, die wie massive Kleckse in der Bucht liegen. Das dunkle Gestein türmt sich dramatisch auf und scheint nur von laut krächzenden Möwen bewohnt zu sein. Vor allem aber legen sich diese Felsen schützend vor die Bucht und halten Wind und Wellen zurück. Das merken wir sofort, als wir an ihnen vorbeipaddeln: War das Wasser bisher extrem seicht, kommen nun spürbar mehr Wellen auf. Das hatten wir vorhin nicht geahnt und auf unsere Spritzdecken an den Kajaks verzichtet. Deswegen kriegen wir nun hin und wieder einen erfrischenden Wasserschwall über die Beine, wenn eine der Wellen mal etwas höher schwappt – wirklich dramatisch ist das bei dem Sonnenschein aber nicht.

Vor uns liegt nun Marmaronisi, eine Mini-Insel, die für die Bewohner von Mykonos früher sehr wichtig war. »Der Name verrät, dass es hier früher Marmor gab«, erzählt die 50-jährige Jo. Den bauten die Mykonier auf dem kleinen Eiland ab und brachten ihn mit Booten ans nahe gelegene Festland. »Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr da drüben noch die schmalen Eselspfade und die Reste alter Öfen.«

Denn an dem Marmor selbst waren die Einwohner nicht interessiert. Sie stapelten ihn vielmehr in diesen Öfen, ließen in der Mitte eine Öffnung, bedeckten alles mit Erde und steckten in das Loch unzählige Büsche, die sie mit Eseln herangeschafft hatten. »Man zündete die Büsche an und ließ alles drei Tage lang brennen.« So bekam man Kalkstein, der mit Wasser gemischt eine weiße Paste ergab. Mit der tünchten die Menschen ihre Häuser hell – als Schutz vor Insekten und zum Reflektieren der Sonne.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 04/2016.

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