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Ostsee hautnah

Von Flensburg bis zur Lübecker Bucht

Jörg Knorr hat sich Ende Mai, bevor der Trubel auf dem Wasser losgeht, in sein Boot gesetzt, um etwa 250 Kilometer von Flensburg bis zur Lübecker Bucht zu paddeln. Wechselhaftes Wetter, kleine Herausforderungen, interessante Begegnungen und viele entspannende Momente waren die Zutaten dieses Seekajaktrips.

Text/Bilder: Jörg Knorr

Powerwind von achtern

Mit 6 bis 7 Windstärken bläst der Wind aus Westen. Zugegeben, etwas weniger wäre auch o.k., aber die Richtung ist perfekt. Es sieht eher nach einem Sprintstart als nach einem gemütlichen Einpaddeln aus. Am 28. Mai nachmittags starte ich zu meinem Ostsee-Törn. Wellen und Rückenwind tragen mich wie im Flug aus der Flensburger Innenförde Richtung Holnis. Weit muss ich heute nicht. In Westerholz warten Freunde auf mich. Meine Koje im Vorzelt eines Wohnwagens ist quasi schon »gebucht«.

Hinter Holnis wird es etwas ruhiger auf dem Wasser, da ich nahe am Ufer den Windschatten nutze. Trotzdem ist immer noch ein angenehmes Schieben des Winds zu spüren, das sich nochmal verstärkt, als ich mich wieder vom Ufer entferne. Bei Wind aus Ost hätte ich den heutigen Tag paddeltechnisch vergessen können. Hätte, wäre, wenn – das Leben ist kein Konjunktiv. Mein GPS zeigt 8,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit an. Einige Wellen fordern doch etwas mehr Konzentration. Surfs mit bis zu 17 km/h lassen mich immer wieder juchzen. So mag ich es. »Weiter so« und »Soll das schon alles sein?!«, rufe ich dem Wind zu.

Wie im Rausch spule ich Kilometer um Kilometer ab und ziehe schließlich fast eine Stunde früher als verabredet in Westerholz mein Kajak aus dem Wasser. Helmut steht schon am Ufer. Er hat Ausschau nach mir gehalten und hilft mir nun, das Boot auf den Wagen zu schnallen. Dann noch drei Minuten Fußmarsch und wir sitzen vor Helmuts Wohnwagen. Ich bin noch ganz benommen von dem Ritt über die Wellen und habe unterwegs kaum etwas getrunken. Das erste Bier verdampft fast auf dem Weg in den Hals. Nach einer Dusche schmeißt Helmut den Grill an. Kein schlechter Anfang, denke ich bei mir, und bin mehr als zufrieden mit dem ersten Tag.

Wo ist Fred?

Mein später Start (10:45 Uhr) am zweiten Tag wird von Regen begleitet. Auch heute bin ich noch mal verabredet. Fred gehört ebenfalls zur Dauercamper-Fraktion und erwartet mich heute Nachmittag am Strand hinter Falshöft. Wo genau, weiß ich noch nicht. Sein Wohnwagen steht auf einem etwas abgelegenen Campingplatz, der einen 15-Minuten-Fußmarsch erfordert.

Der Himmel sieht nicht einladend aus. Sonnenstrahlen werden wohl die Ausnahme bleiben. Wie eine graue Decke liegt die tief hängende Wolkenmasse über der Geltinger Bucht. Der Wind hat sich zumindest etwas beruhigt. Die bis an die Küste reichenden Felder ähneln der Wasseroberfläche. Auch wenn das kräftige Grün sich kontrastreich vom Blaugrau der Ostsee absetzt, die Bewegung der heranwachsenden Getreidehalme erinnert an die Wellen des Meers. Der Wind pustet ständig wechselnde Strukturen in die Felder.

Die Geltinger Bucht liegt hinter mir. Es fängt an zu regnen. Mir tut der Hintern weh. Eine Pause wäre jetzt nicht schlecht. Zwischen den wilden Heckenrosen, die das Ufer der Geltinger Birk säumen, erspähe ich eine kleine Hütte, meine Hütte für die anstehende Pause. Ich rufe Fred noch mal an und lasse ihn wissen, wann er mich am Strand erwarten soll, damit ich weiß, wo ich am besten mein Boot aus dem Wasser ziehe. 16 Uhr ist abgemacht. Punkt 16 Uhr dümpele ich am Strand entlang, immer nach Fred Ausschau haltend. Haben wir uns verpasst? Bis Schleimünde sind es nur noch sechs Kilometer. Ein Plan B reift schon in meinem Kopf. Fred hat allerdings einen Grillabend in Aussicht gestellt. Plan B muss noch warten. Wo ist Fred?

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 03/2016.

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