Aktuelle Ausgabe

Oberengadin

Wildwasser ganz hoch oben

Zu viel Wasser, zu wenig Wasser – das sind die häufigsten Gründe, wenn ein geplanter Paddeltrip nicht stattfinden kann. Wenn die üblichen Ziele zum Paddeln im Spätherbst nicht mehr in Frage kommen, man aber unbedingt paddeln will, wird es Zeit, über Alternativen nachzudenken. Nach einigem Grübeln und Abwiegen von Argumenten fiel die Wahl von Lorenz Eberle und seinen Mitpaddlern auf das Engadin, genauer gesagt – und dieses Detail ist wichtig – auf das Oberengadin.

Text/Bilder: Lorenz Eberle

Grau, grau, grau...

Mitte November – die Pegel der Flüsse im Alpenraum sind fast auf ihrem Tiefpunkt angelangt und bereiten sich zielstrebig auf ihre Winterstarre vor. Auf unsere Lust, noch ein paar späte Tage auf dem Wasser zu verbringen, nehmen sie dabei leider keine Rücksicht. Fällt unser verlängertes Wochenende ins Wasser bzw. ins Trockene? Irgendwie haben wir noch die Worte unseres Freunds Paul aus dem Oberengadin im Kopf. »Paddeln? Paddeln kann man bei uns eigentlich fast immer.« Das wollen wir jetzt genauer wissen.

Und so folgt zum Wochenbeginn ein Telefonat. Noch immer rechnen wir dabei mit einem skeptischen »Nein, im Moment geht bei uns nichts«, aber das bleibt aus. Im Gegenteil: »Kommt nur, für drei, vier Tage lohnt es sich auf jeden Fall«, hieß es im freundlichen Schwizerdütsch am anderen Ende der Leitung. Und so geht es für uns am Dienstag nur noch darum, unseren jeweiligen Chef davon zu überzeugen, dass wir Freitag unbedingt Urlaub bräuchten. Dass wir im November paddeln gehen wollen, lassen wir sicherheitshalber unerwähnt. Wer weiß, wie sonst die Reaktion wäre.

Am Donnerstag nach der Arbeit machen wir uns auf den Weg. Auf der Fahrt weicht das konstante Einheitsgrau über uns nicht. Bald liegt Zürich, wenig später das Landquart-Tal hinter uns. Dort hat es auch noch begonnen zu nieseln. Niederschlag in seiner nutzlosesten Form, zumindest aus Paddlersicht. Unsere kleine Kolonne schlängelt sich die Serpentinen zum Flüelapass hinauf. Immer noch grau und zunehmend neblig. Erst als wir fast 2.400 Meter Höhe erreichen, zeigt sich südlich der Bergkette ein etwas freundlicheres Wolkenbild. Wir nehmen es zur Kenntnis, aber die Spannung wächst. Denn von hier sind es jetzt nur noch zwanzig Minuten bis Susch und damit bis zum Inn, wo wir uns selbst davon überzeugen wollen, dass hier wirklich etwas geht.

Als wir ankommen, ist es dunkel geworden und wir können nicht wirklich viel erkennen. So richtig paddelbar erscheint uns der Inn im faden Licht der Straßenlaternen nicht. Skepsis macht sich breit. Aber jetzt sind wir da und werden sehen, was die nächsten Tage bringen. Also biegen wir nicht, wie sonst meistens an diesem Punkt nicht Inn-abwärts zu den üblichen Strecken ab, sondern Innaufwärts und landen nach unzähligen Kurven im Oberengadin bei Paul. Die Begrüßung ist herzlich und schnell sitzen wir beim Essen und schmieden Pläne für die nächsten Tage.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 03/2016.

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