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(Auf)RUR – vom Wildwasser bis zum Wanderpaddeln

AufmacherFür viele Paddler – vor allem in Nordrhein-Westfalen – heißt die Formel immer: Rur + Paddeln = Monschau. Doch der Fluss hat auch sonst noch einiges zu bieten (auch wenn das dann nicht mehr wirklich Wildwasser genannt werden kann). Martina Pohl-Elser leistet ihren Beitrag zur paddlerischen Weiterbildung in Sachen Rur.

Die Rur ist auf weiten Strecken ein landschaftlich sehr reizvoller Bach und der Unterlauf bis nach Roermond in den Niederlanden geradezu unbekanntes Terrain. Letzteres liegt vermutlich daran, dass man die Fahrten auch in den Niederlanden aus Umweltschutzgründen anmelden und genehmigen lassen muss – auf Niederländisch versteht sich…

Die einzelnen paddelbaren Abschnitte der Rur stellen sich sehr unterschiedlich dar: Während auf den ersten Kilometern bis Monschau je nach Wasserstand echtes Wildwasser der Klasse II bis unfahrbar angesagt ist – allerdings auch nur im Winter bei Schneeschmelze oder bei Starkregen im Sommer –, beruhigt sich die Rur ab Monschau zu einem leichten Wildwasserbach mit einzelnen Stromschnellen oder Sohlgleiten (umgebaute Wehre) und später zum reinen Wanderbach, den man fast ganzjährig fahren kann (im oberen und untersten Teil gibt es Sperrungen aus Umweltschutzgründen für einen Teil des Jahres) und der für Anfänger und/oder Wanderpaddler sehr gut geeignet ist. Kommen wir also zu den einzelnen Abschnitten (ohne Anspruch auf absolute Vollständigkeit; die beschriebenen Abschnitte bin ich alle selbst gefahren):

Wildwasserstrecke Reichenstein–Monschau

Man steigt bei Reichenstein unterhalb der Straßenbrücke flussabwärts gesehen am rechten Ufer ein. Ab hier geht es etwa einen Kilometer auf WW I weiter. Anschließend folgt zunächst WW II mit vielen Kehrwässerchen zum Üben und Warmfahren. Dann kommt die berühmte Holzbrücke im Wald, die je nach Wasserstand/Pegel und Linie harmlos zu unterfahren ist, aber auch sehr sportlich werden kann. Ganz rechts fahren heißt, die Chickenline zu benutzen.

Anschließend geht es richtig in den Wald. Die anspruchsvolleren Stellen kommen schnell nacheinander, sind gekennzeichnet durch Steine und plötzliche Kurven. Alles ist auf Sicht fahrbar, man muss nur auf Steine und Äste achten. Bei niedrigeren Wasserständen wird es teilweise sehr technisch. Ich finde es dann schwerer als bei mehr Wasser (Unterschied zwischen Pegel 60 und 80 in Monschau).

Höhepunkt ist der »Himm«, eine S-Kurve, die sehr plötzlich auftaucht. Ich finde es am besten, sie ohne Nutzung von Kehrwässern einfach runterzufahren. Danach ist links der Ausstieg, wenn man den »Knochenbrecher« nicht fahren und/oder den Perlbach zur Weiterfahrt mitbenutzen will.

01-Hilfahrt-Orsbeck

 

Will man die Rur ohne Perlbach und »Knochenbrecher« weiterfahren, trägt man links die Straße hinunter ca. 100 Meter an einer verlassenen Fabrik vorbei und steigt direkt dahinter rechts ein. Der Abhang dort ist mit Vorsicht zu genießen, weil steil und rutschig. Fährt man den Perlbach bis in die Rur, trägt man einige hundert Meter rechts die Straße hoch. Das dortige Wehr sollte man sich vor der Fahrt ansehen; man kann es am besten ganz links fahren.

Auf der Rur geht es mit WW II etwa einen Kilometer weiter bis zum Brauereiwehr. Dieses sollte man zwingend rechts fahren. Es handelt sich dabei um eine steile Rutsche, kein Steilwehr wie in der Mitte. Danach geht es in den Ort Monschau, der Bach ist kanalisiert. Unter einer Brücke steht eine bei hohen Wasserständen kräftige Walze, die man aber mittig gut im Stromzug durchfahren kann oder bei niedrigeren Wasserständen links. Danach gibt es hohe Wellen und WW II+.

Dann folgt der »Favoritentöter«. Diesen fahre ich meistens rechts über die Chickenline. Hier ist er nur eine vergleichsweise einfache Rutsche, die man einfach geradeaus hinunterfährt. Vorsicht: Ganz rechts an der Mauer anfahren und dabei auf tiefhängende Äste achten. Bei viel Wasser kann es schon einmal unmöglich werden, unter den Ästen hindurchzufahren. Dann muss man notgedrungen links die Hauptroute nehmen – die sieht aber optisch manchmal recht sportlich aus. Die Hauptroute geht links am Pfeiler vorbei. Am besten fährt man links an und dann konsequent nach rechts ins Kehrwasser. Sie sieht tatsächlich schlimmer aus als sie ist – ich habe mich davon durch praktische Erfahrung überzeugen lassen.

Es geht einfach weiter bis zum nächsten Wehr, dem Kesselwehr. Ca. 25 Meter davor gibt es ein großes Kehrwasser auf der rechten Seite, in dem man sich noch einmal sammeln kann. Das Wehr fährt man links – es geht genau zwischen zwei Steinen hindurch. Für die anschließende Strecke bis zum Ausstieg gilt: Ganz links fahren. So vermeidet man üble Löcher in Flussmitte. Der Ausstieg Monschau kommt dann ca. 100 Meter später auf der linken Seite, wo die Boote eine kurze, steile Böschung hochzutragen sind.

Text/Bilder: Martina Pohl-Elser

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 02/2014 des kajak-Magazins.

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