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Im Schweizer Fjordland: Paddeln auf dem Vierwaldstättersee

2 schweizWeit verästelt und mit einem Höhenunterschieden zwischen Wasser und Berg, dass selbst norwegische Fjorde neidisch werden könnten, prangt der Vierwaldstättersee mitten in der Schweizer Landschaft. Ein wahres Paddel-Eldorado für Liebhaber von Bergseen. Klares, grünes Wasser, Blicke auf schroffe Gipfel und liebliche Almen, aber auch mondäne und zugleich urige Einkehrmöglichkeiten durfte kajak-Autor Björn Nehrhoff von Holderberg bei einem Besuch im Land der Eidgenossen erleben.

 

 

Tour 1: Paddeln am Bürgenstock und Chrüztrichter (40 Kilometer)

Der riesige, verästelte Vierwaldstättersee liegt auf einer Meereshöhe von 434 Metern und bietet uns Paddlern eine Uferlänge von 162 Kilometern. In Anbetracht der Tatsache, dass einige Berge der Region an der 3.000-Meter-Marke kratzen, kann der See in Bezug auf die Höhendifferenzen zwischen Wasserfläche und Gipfel locker mit norwegischen Fjorden mithalten, ja diese sogar übertrumpfen, denn einen Höhenunterschied von mehr als 2.500 Metern wird man im Land der Mitternachtssonne vergeblich suchen.

Das Wetter gebärdet sich so gar nicht nordisch, als ich am Ufer vom Vierwaldstättersee im kleinen Ort Buochs (gesprochen als »Burchs«) in der Schweiz ankomme. Vielmehr erinnern mich Temperaturen von 28 Grad im Schatten an vergangene Mittelmeerurlaube. Schnell baue ich mein Zelt an einem der raren schattigen Plätze auf dem örtlichen Campingplatz auf und schiebe dann das Kajak mit einem Bootswagen die 200 Meter zum Wasser. Die Einsetzstelle befindet sich genau zwischen Freibad und Seglerhafen. Damit ist Publikum garantiert, das auch bald neugierige Fragen zu meinem Seekajak äußert.

Heute möchte ich zunächst einmal den von Buochs aus gesehen östlichen Teil des Sees befahren. Flotte Paddelschläge bringen mich rasch mitten auf den See. Ich steuere das linke Ufer an mit dem Bug in Richtung Bürgenstock-Massiv. Mein Paddel leuchtet orange in der Sonne, während ich es wechselseitig in tiefgrünes und gleichzeitig warmes Wasser tauche. Fein, genauso hatte ich mir das Wetter gewünscht. Das Ufer wird einstweilen gesäumt von grünen Almwiesen und kleinen Bauernstellen, die sich steil den Berg hoch ziehen. Dazwischen stehen solitäre Ahornbäume und spenden den Kühen auf der Weide begehrten Schatten.

Nach zwei Kilometern sind die Almwiesen wie abgeschnitten und die Hänge bedeckt mit tiefgrünem Wald. Jetzt komme ich vorbei an winzigen Buchten, die mit Feuerstellen und Sitzgelegenheiten zum Anlanden einladen. In einer Bucht sitzt bereits eine Schweizer Familie und hat ihr Zelt aufgebaut. Der Vater verrät mir, dass dies ein öffentlicher Platz sei und Zelten erlaubt wäre. Gut zu wissen für alle, die Mehrtagestouren auf dem See planen.

4 W See Bjoern -54 

 

Tsunami durch Felssturz

Irgendwann schaut der Vordersteven meines Seekajaks um die Ecke. Der Blick wird jetzt frei in Richtung Chrüztrichter (Kreuztrichter). Zunächst aber bleibe ich weiter nah am Ufer. Alle paar hundert Meter sind hier Motorboote verankert. Ihre Besitzer aalen sich in der Sonne, manchmal hören sie dabei Musik, die dann weit über den See schallt. Auch eine Gruppe Jugendlicher ist unterwegs. Nicht etwa alle in einem Boot, sie stehen allesamt einzeln auf den Achterdecks ihrer PS-starken Motoryachten, die sie in einem Kreis aufgereiht haben und werfen Spinnangeln aus. Gleichzeitig chatten sie über das Fischen, wie ich den Bruchstücken im Vorbeipaddeln entnehmen kann. Teenagerleben kann in der Schweiz augenscheinlich durchaus angenehm sein.

Ein Stück weiter entdecke ich Schilder, die Wassersportler vor einem Steinabbruch warnen und zu einem Abstand von 100 Metern auffordern. Dass diese Warnung kein Spaß ist, zeigt ein Gutachten, das eine »Tsunamigefahr« und ihre Auswirkungen für die gegenüber liegenden Seeorte bei einem größeren Felssturz analysiert, das ich später im Internet entdecke. Wenig später erreiche ich Obermatt. Gelbe Sonnenschirme vor einem urigen Holzhaus weisen darauf hin, dass man hier einkehren kann. Doch wer soll bitte hier essen gehen, weit entfernt von jeder Siedlung? Da sind doch bestenfalls ein paar Wanderer, die hier am Tag vorbeikommen. Nein, falsch gedacht, denn vor dem Restaurant liegt eine ganze Reihe schicker Motorboote vertäut. Alle Plätze scheinen belegt zu sein, denn auf dem Wasser dümpeln weitere stilvolle Holz­yachten herum und warten. Kajakfahrer können etwas weiter hinter dem Restaurant an einem winzigen Strand anlegen. Das Ambiente mit einer Mischung aus urigem Almblockhaus und moderner, üppiger Holzterrasse sowie die Gerüche, die aus der Küche dringen, erscheinen mir durchaus einladend. Doch auf Warten habe ich keine Lust. So stippe ich das Paddel wieder ins Wasser und bewundere die steilen Uferfelsen.

 

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 06/2013 des kajak-Magazins.

 

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