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Inselhüpfen auf dem Sommen

Sommen Schweden-12Björn Nehrhoff von Holderberg hat sich nach Schweden aufgemacht, um auf dem Sommen zu paddeln. Grobe Vorgabe war, Torpön, die größte Insel im See, zu umrunden. Da diese den Umrissen Afrikas ähnelt, ging es auf Expedition um einen kleinen Kontinent. Auch ein Abstecher nach Hawaii  lag auf der Route, doch dazu mehr im folgenden Bericht.

 

  

Sommen Der Sommen liegt in der schwedischen Provinz Östergötland, knapp 40 Kilometer östlich des Vätternsees. Er hat eine Fläche von 130 km², seine maximale Tiefe beträgt bis zu 53 Meter. Etwa 260 Inseln befinden sich auf seinem Territorium. Größter Ort am See ist Tranås. Der Sommen ist bekannt für sein klares, nährstoffarmes Wasser. Bei guten Verhältnissen kann man bis zu 10 Meter in die Tiefe sehen.

 

Tranås ist ein guter Ausgangsort zum Start für eine Tour auf dem verzweigten Seensystem des Sommen. »Dadurch, dass der Svartån-Fluss nur durch einen Arm des Sees fließt, sind die anderen Buchten weitgehend frei von Schwebstoffen, die im Fluss mittransportiert werden. Der Sommen gehört daher zu den klarsten Seen in Schweden«, erzählt mir Petrus von Petrus Kajak, dessen Kanucenter sich direkt neben dem Campingplatz Tranås am Seeufer befindet. Wer kein Boot zur Verfügung hat, der kann sich hier eines ausleihen, aber auch von dort seine Kajaktour auf den Sommen starten. Direkt neben der schönen Holzkåta liegen dutzende Boote, darunter eine ganze Auswahl an schnittigen Seekajaks.

Darüber hinaus gilt Petrus als echter Kenner des Sommen und wer ihn in ein Gespräch verwickeln kann, der erhält wertvolle Tipps über den See und sein Wetter. So erzählt er mir von ständig wechselnden Winden und einem Aussichtspunkt, den ich unbedingt anpaddeln solle. Doch davon später mehr. Zunächst bin ich froh, als ich endlich alle sieben Sachen im Boot verstaut habe und mein Auto auf dem Parkplatz zurücklassen kann. Mein grober Tourenplan sieht vor, die größte Insel im See mit dem Namen Torpön zu umrunden und Blicke in die langen Buchten des Sees zu werfen. Torpöns Umrisse ähneln denen von Afrika. Entsprechend warm ist das Wetter, könnte man an diesem schönen Tag meinen. Kein Wölkchen am Himmel sorgt für etwas Schutz vor der gleißenden Sonne. Schon seit einer ganzen Woche »verfolgt« mich eine Schönwetterperiode, und das in Schweden Ende Mai! Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber so eine kleine Wolke wäre doch eine ganz nette Entspannung für meine dick mit Sonnencreme eingefettete Haut.

Von Tranås aus peile ich erst mal die markante Insel Strorön im Norden von Torpön an. Mitten unter der Querung gerate ich in ein buntes Durcheinander aus Motorbooten, die hier ihre Bahnen ziehen. Das hatte ich irgendwie nicht erwartet. Fast fühle ich mich an einen Sommernachmittag in die Schären der Ostsee versetzt. Nun gut, dann muss ich eben das Brummen der Motoren hinnehmen. Selbst Schuld, wenn man bei Bilderbuchwetter zu Pfingsten hier aufkreuzt! Auf Storön angekommen, erkunde ich die interessanten Felsformationen und den Inselberg. Das Eiland ist so nett, ich könnte fast schon hier bleiben, um zu übernachten, wäre ich nicht gerade erst losgepaddelt. Torön dagegen umgibt hier ein Kragen aus flachen, offenen Felsflächen, die sich sehr gut zum Anlanden eignen, wie die zahlreichen Motorbootsbesitzer bezeugen, die es sich dort bereits in der Sonne gemütlich gemacht haben.

 

Felshöhlen und Motorbootkapitäne

Ich ziehe weiter eifrig am Stock und dringe so immer weiter in den Süden des Sees vor. Die Landschaft wechselt ständig zwischen kleinen Anwesen und den dazugehörigen Wiesen sowie bewaldeten Abschnitten. Immer wieder stechen auch Felsformationen hervor. Der See schnürt sich hier langsam immer weiter zusammen, bis er sich hinter der Landnase des Mellsberget wieder öffnet und den Blick in einen anderen Seearm freigibt.
Linker Hand liegt jetzt Trollön. Ob das Inselchen seinen Namen wegen seines verwunschenen Waldes und den wie Trolle erscheinenden markanten Einzelsteinen darin bekommen hat, weiß ich nicht. Sicher ist aber, dass es sich vorzüglich zum Pausieren eignet und so lege ich an, mit Blick auf den markanten Buckel des Bodaberget, unter dessen steilen Felswänden ich wenig später mit dem Kajak dümple. Hier entdecke ich eine höhlenartige Vertiefung im Fels, in die ich hineinpaddeln kann. Ein paar Meter weiter begegnet mir ein Angler im Motorboot. Beim Smalltalk über das Fischen erfahre ich, dass es hier besonders große Barsche und Hechte geben soll. Nicht eben meine prioritäre Jagdbeute. Ich bevorzuge Meeresfisch wie Makrele und Dorsch und verzichte hier daher ohne Wehmut auf das Angeln.

An der Südspitze von »Afrika« wartet eine enge Durchfahrt auf mich. Hier überhole ich mehrere Motorboote, die kurz vorher noch mit einem Affenzahn ziemlich nah an mir vorbei brausten. Nun haben sie wohl Angst, wegen des flachen Wassers auf Grund zu laufen und sind nur noch im Kriechtempo unterwegs. Die Besatzungen der Boote sind bunt gemischt. Ein älteres Pärchen sitzt in einem mindestens ebenso alten, aber auch ebenso gepflegten Holzboot. Ein Vater, der mit dem Sohne eine Angelpartie zu machen scheint, steuert ein Ruderboot ähnliches Gefährt. Die rasenden jugendlichen Angeber von vorher sitzen am Steuer eines nobel aussehenden Rennboots, auf dessen Vordeck sich ihre Freundinnen in der Sonne aalen.
Hinter der Durchfahrt drehe ich den Bug des Kajaks wieder nordwärts und plötzlich sind alle Motorboote verschwunden. Ich bin endlich allein an der Ostküste von Torpön unterwegs, die sich zunächst als relativ eintöniges Waldufer entpuppt. Erst ein ganzes Stück hinter Brevik kommen wieder interessante Felsformationen in Sicht. Mein Hauptfokus liegt aber auf Stora Klovön, dem, wenn auch etwas kleinen, Madagaskar von Torpön. Stora Klovön ist eine extrem felsige Insel, deren Steine teils großflächig mit gelben Flechtenteppichen bewachsen sind. Rund um und auf der Insel gibt es unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Wer mag, kann auf einem kleinen Hochplateau nächtigen, eine grüne Wiese finden oder aber auf der Insel schlafen. Ich dagegen kehre Torpön nun den Rücken und steuere auf die offenen See hinaus in Richtung Norden.

Hinter einem Vogelschutzgebiet in Seemitte entdecke ich ein gutes Stückchen weiter eine kleine Insel, die mit einer Sonnenterrasse und einem fotogenen Ausblick auf einzelne Felsklötze und weitere Inseln wie für mich gemacht scheint. Hier höre ich die vorbeidüsenden Motorboote nur noch aus der Ferne, denn in der näheren Umgebung ist es wohl zu steinig und zu flach für weniger ortskundige Bootsführer. Gemütlich beim Kaffee sitzend, beobachte ich, wie die Sonne sich dem Horizont nähert und dann im lichten Kiefernbestand der Nachbarinsel verschwindet.

Sommen Schweden-13

 

Adler können nicht lesen

Es ist etwas kälter am nächsten Morgen. Das hat aber den Vorteil, dass meine morgendliche Routine ein wenig beschleunigt wird. Schnell bin ich auf dem Wasser und passiere bald eine winzige Insel, auf deren spärlichen Kiefernbestand der wuchtige Horst eines Fischadlerpaars thront. Ein Adler schleppt gerade einen ziemlich großen Ast mit sich in Richtung Nest. Leider können Adler nicht lesen, denn sie haben es sich ein gutes Stück neben dem Vogelschutzgebiet gemütlich gemacht.

Ich quere den See in Richtung Norden und halte mich westlich von Öxelön. Anschließend umrunde ich eine Halbinsel, die meinen Vornamen trägt, Björnudden. Es muss hier früher einmal Bären gegeben haben, denn Björn bedeutet ja Bär auf Schwedisch. Hinter der Bärenhalbinsel komme ich in die Enge von Grytön. Die Durchfahrt dort ist sehr flach und einige Kiefern sind vom Sturm in die Rinne geworfen worden. Kurz kommen Zweifel auf, ob ich mit dem Kajak durchkomme, doch die erweisen sich schnell als unbegründet, als ich mich annähere. Mit etwas Ankanten und einigen Steuerschlägen komme ich glatt durch, ohne mit dem Boot an die im Wasser lauernden Steine zu ecken. Nun befinde ich mich in einer kleinen, engen Bucht, die wie ein eigener kleiner See wirkt. Das Besondere ist, dass hier kein Indiz menschlichen Schaffens an Augen und Ohren dringt. Hier gibt es nichts außer Bäumen und Wasser. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich heute noch kein einziges Motorboot gesehen habe. Der Pfingstsonntag war also glücklicherweise ein Ausnahmefall. Im Nordosten von Grytön entdecke ich zwischen offenen Kiefern einen schönen Übernachtungsplatz, ideal für alle, die auch in der Saison ihre Ruhe suchen. Von der Nordspitze Grytöns aus bewege ich mich wieder nach Süden vorbei an Vetön. Dann geht es an der Ostseite von Öxelön entlang. Hier bieten sich ebenso wie auf den vorgelagerten kleinen Inseln vorzügliche Übernachtungsmöglichkeiten an. Der Sommen wird anschließend wieder breiter und ich bleibe an der Ostküste.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 05/2013 des kajak-Magazins.

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