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Warnow zur kalten Jahreszeit

Einsamer als im Winter können Deutschlands Gewässer kaum sein, denn nur wenige Paddler frönen zur kalten Jahreszeit ihrem Hobby. Jörg Knorr ist einer von ihnen. Er war zusammen mit zwei Freunden auf der Warnow in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs und hat dabei dem eisigen Wetter getrotzt.

Am 25. Dezember telefoniere ich mit David, um das Organisatorische unserer Warnow-Tour klar zu machen. Doch es sieht nicht gut aus. Bei Schwaan ist die Warnow noch zugefroren. In den letzten Tagen hat es zwar etwas getaut, aber es reichte offenbar nicht. Egal, ich will unbedingt noch mal raus und habe mir die Warnow zwischen Sternberg und Rostock in den Kopf gesetzt. Zur Not müssen wir uns auf den Oberlauf beschränken. Alles ist gepackt, Verpflegung gebunkert und das Boot auf dem Dachträger verzurrt. Es hat sich einiges an Vorfreude in mir angesammelt. Ich wäre schon etwas enttäuscht, wenn unser Vorhaben ins Wasser oder besser aufs Eis fiele.

David meldet sich am 2. Weihnachtsfeiertag nochmals und gibt Entwarnung. Es hat weiter getaut. Die Warnow ist passierbar. Meine Laune, die nicht wirklich schlecht war, steigt schlagartig. Auch David und sein Bruder Simon sind voller Erwartung. Man könnte unsere Wintertour auch als aktives Festtagsschlemmerei-Kompensationsprogramm bezeichnen. Über die Weihnachtstage kam kalorien- und ernährungstechnisch einiges zusammen, was abgearbeitet werden sollte. Wir verabreden uns auf 8.30 Uhr an der Straßenbrücke zwischen Sternberger Burg und Groß Görnow. Wir, das sind drei Nordlichter, die ihre Wurzeln in dieser Gegend und nicht zuletzt dadurch auch eine gewisse Affinität zur Warnow haben. Auch wenn die Natur im Winter nicht gerade mit Farben strotzt, hat ein Dezember-Trip definitiv seine Reize.

 

Ruhefanatiker werden mit absoluter Stille verwöhnt. Solange man außerhalb von Siedlungsgebieten paddelt, begegnet man kaum einem Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, allein auf dem Wasser zu sein, tendiert gegen 100 Prozent. Mehr Gründe brauchen wir nicht, um nach mehreren Jahren Warnow-Abstinenz den Flusslauf mal wieder genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir sind alle überpunktlich 30 Minuten zu früh am Treffpunkt. David und Simon haben zwei Fahrer aus der Familie mitgebracht, um unsere Autos später zum Zielpunkt der Tour zu fahren. Unser Timing stimmt auf den Punkt, es wird langsam hell. Wir laden unsere Kajaks ab, verstauen das Gepäck und sitzen um 9 Uhr in den Booten. Unterstützt von der Strömung, paddeln wir dem Warnow-Durchbruchstal entgegen. Wir atmen tief durch und freuen uns einfach auf vier Tage draußen.

Die Warnow schlängelt sich durch eine Wald- und Wiesenlandschaft. Die Breite des Flusses variiert hier zwischen 10 und 25 Metern. Die Landschaft wirkt wie unter einer diffusen Matte liegend – keine wärmenden Sonnenstrahlen, keine langen Schatten, das Licht ist alles andere als fotofreundlich.

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Flusscharakter: Die Warnow ist ein weitestgehend naturbelassener Wald- und Wiesenfluss. Mal schlängelt sie sich schmal und zügig fließend durch kleine Wälder, mal fließt sie gemächlich an Feldern und Wiesen vorbei. Der Fluss ist über mehr als 100 km befahrbar. Einige Hindernisse, wie Wehre, niedrige Brücken oder Fischtreppen müssen umtragen werden. Zwischen Bützow und Rostock ist kein Umtragen mehr nötig. Die Warnow entspringt etwa 30 km östlich von Schwerin und mündet bei Warnemünde in die Ostsee. Sie ist 155 km lang und überbrückt von der Quelle bis zur Mündung einen Höhenunterschied von 65 m. Die Warnow nimmt mehrere kleine Nebenflüsse, wie die Mildenitz, die Nebel, den Brüeler Bach und die Beke auf. Neben Rostock am Übergang zur Unterwarnow liegen nur kleinere Orte und Dörfer am Fluss. Die Warnow wirkt über große Bereiche wie ein unberührter Wildnisfluss, der eine besondere Anziehungskraft auf Naturliebhaber ausübt.

Beste Zeit: Jahreszeitlich und wettertechnisch gesehen sind die Sommermonate sicher die verlockendsten. Aber, wie der Tourbericht zeigt, ist die Warnow fast ganzjährig befahrbar. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz.

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Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in der Ausgabe 02/2010 des kajak-Magazins.

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