Aktuelle Ausgabe

Wildwasserrevier Vorderrheintal

Der Vorderrhein ist einer der landschaftlich wie auch wassertechnisch interessantesten Flüsse der Schweiz. Matthias Breuel hat sich bei den Eidgenossen umgesehen und berichtet von Traumwildwasser rund um die Flimser Schlucht.

 

Kurzcharakteristik

Vielseitigkeit ist Trumpf im Vorderrheintal im Westen Graubündens. Die Auswahl reicht von Genusswildwasser in der landschaftlich einmaligen Rheinschlucht über sportliche Katarakte am Glenner bis hin zu Grundgesteinsstufen Marke Tessin am Medelser Rhein.

Anfahrt

Ab dem Bodensee auf der Autobahn A13 (Schweizer Vignette erforderlich) über Sargans und Chur bis nach Reichenau. Ab der Ausfahrt Reichenau folgt man der Hauptstraße Richtung Ilanz und Disentis über Flims ins Herz der Region Surselva.

Beste Zeit

In den Monaten Mai und Juni sind normalerweise alle Abschnitte befahrbar. Je nach Schneeschmelze ist teilweise mit hohen Wasserständen und evtl. einer entsprechenden Schwierigkeitszunahme zu rechnen. Während der Glenner bis weit in den Sommer hinein befahrbar bleibt, braucht man für den oberen Vorderrhein und die anderen Nebenflüsse schon im Juli Regen oder Glück. Die Rheinschlucht ist auch im Herbst befahrbar und bietet gerade dann ein besonders eindrucksvolles Naturerlebnis.

Schweizer Grand Canyon – so bezeichnen Marketingstrategen jene Schlucht, die der Vorderrhein vor seiner Vereinigung mit dem Hinterrhein durch die Trümmermassen des Bergsturzes von Flims gegraben hat. Der eigentliche Name dieses Naturwunders, das man am schönsten aus der Bootsperspektive erlebt, lautet aber Ruinaulta. Frei übersetzt bedeutet dieses rätoromanische Wort »hohe Geröllhalde«, eine treffende wie klangvolle Bezeichnung für die eindrucksvolle Schluchtlandschaft. Die rätoromanische Sprache, genauer das hier gesprochene Sursilvan, ist nur eine der Besonderheiten der Region.

Es muss eine gewaltige Staubwolke gegeben haben, als vor etwa 10.000 Jahren der Flimser Bergsturz das Vorderrheintal unterhalb des heutigen Städtchens Ilanz verschüttete. Über 10 Kubikkilometer Kalkgestein stürzten beim größten alpinen Bergsturz vom Flimserstein hinab und stauten den Vorderrhein zum etwa 25 Kilometer langen Ilanzer See auf, ehe sich dieser seinen Weg durch die Geröllmassen grub und die Ruinaulta schuf. Heute präsentiert sich die Bergsturzlandschaft rund um die Schlucht mit ihren ausgedehnten Wäldern und idyllischen Bergseen als ruhiges Naturparadies. Immer wieder aber erinnern kleinere Felsstürze in der Schlucht an die gewaltigen Kräfte, die diese Landschaft geformt haben.

Während die Straßen von der Graubündner Hauptstadt Chur in die als Surselva (rätoromanisch für »über dem Wald«) bezeichnete Gegend rheinaufwärts der Ruinaulta weit oberhalb der Schlucht verlaufen, folgt die Rhätische Bahn dem Flussverlauf durch die Schlucht. Die Fahrt mit dem Zug entlang des Flusses ist zweifelsohne die schönste Form, in der Region anzukommen. Als Nachzügler einer Paddelgruppe, die bereits ihr Lager am Campingplatz in Trun aufgeschlagen hat, komme ich heute in den für Paddler seltenen Genuss dieser Anreisemöglichkeit. Als der Regioexpress Richtung Disentis mit seinen roten Waggons hinter Reichenau in die Ruinaulta einfährt, packt mich sofort die Vorfreude. Im Abendlicht strahlen die weißen Kreidefelsen, neben den Gleisen glitzert der reichlich Schmelzwasser führende Fluss. Mittendrin schlängelt sich der Zug hinauf Richtung Ilanz, hält gelegentlich an einem kleinen Bahnhof in der Schlucht, der zuvor auch auf rätoromanisch angekündigt wurde. Ein schöner Ausdruck gelebter regionaler Identität. Zum Fenster strömt die milde Luft des Frühlingsabends herein – ich fühle mich frei und glücklich.

In Versam lädt eine Gruppe zufrieden grinsender Paddler ihre Kajaks in den Gepäckwagen, um mit dem Zug zurück zum Einstieg zu fahren. Was zunächst ungewöhnlich anmutet, ist hier Alltag. Die Bahnhöfe liegen nahe am Fluss, die Regionalzüge verfügen über geräumige Gepäckwaggons, und die umweltfreundliche Bahnfahrt braucht deutlich weniger Zeit als das Umsetzen der Autos.

...

Einen ausführlichen Bericht, weitere Tourenvorschläge und einen Ergänzungstip über den Hinterrhein und Averser Rhein lesen Sie in der Ausgabe 03/2009 des kajak-Magazins.

 

Share