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Sylt abseits des Trubels

Sylt – das klingt nach Glamour, Lifestyle und Strandurlaub. Dass man auf dieser Nordseeinsel auch Ruhe und Abgeschiedenheit finden kann, wenn man sich mit dem Kajak in Gebiete abseits des touristischen Treibens begibt, beweist die Ausflugstour von Jörg Knorr.

Endlich mal nach Sylt. Jetzt lebe ich schon 14 Jahre in Flensburg, aber noch nie war ich auf der Nordseeinsel. Und zumindest das erste Mal sollte es stilecht sein – mit dem Kajak! Das ist der Aufhänger dieserWochenendtour. Und das sind die Stationen: Schlüttsiel – Langeness – Amrum– Sylt – Rømø (sprich: Röm). Die Richtung ergibt sich aus der Windvorhersage: Südwest bis Süd, 3 bis 4. Ebbe und Flut nutzend, sollte das machbar sein.

Verirrter Inuit?

Samstag, 9 Uhr, Flensburg, Regen! Ganz kurz spiele ich mit dem Gedanken, die Tour abzublasen, aber zum Glück nur ganz kurz. Um 11 Uhr sitzen wir im Auto. Der Regen hat aufgehört, die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Wolken, und die Nordsee wartet. Meine Frau Kerstin fährtmich nach Schlüttsiel und soll mich am Montag von der dänischen Nordseeinsel Rømø wieder abholen. Kurz nach dem Anlegen der Fähre »Rungholt«, die von einer Halligfahrt zurückkommt, sitze ich dann endlich in meinem Kajak und lasse den Hafen von Schlüttsiel hinter mir.

Schon bald wird das ablaufende Wasser mich unterstützen. AmAnleger von Hilligenlei auf Langeness mache ich eine kurze Pause. Die Einwohnerzahl liegt bei 100 in knapp 60 Haushalten. Früher lebten hier mehr Menschen, aber Langeness wird wie alle anderen Halligen immer kleiner, und hier zu leben ist nicht jedermanns Sache. Heute ist Langeness 10 Kilometer lang, bis zu 1.400 Meter breit und  damit die größte Hallig. Hierher habe ich vor einigen Jahren meine erste Nordseetour gemacht. Hier findet man Ruhe, kann die Seele baumeln lassen und während eines Spaziergangs zum Leuchtturm die Nordseeluft und die Abgeschiedenheit genießen. Stress scheint auf Langeness ein Fremdwort zu sein. Ich habe das Gefühl, dass meine mir eigene Grundhektik sogar schon zu schwinden scheint. Und das soll was heißen.

Aber zu lange darf ich nicht warten, da ich die Strömung Richtung Amrum noch nutzen will. Auf dem Weg dorthin passiere ich eine Seehundbank und werde neugierig beäugt. Etwa zehn Seehunde umkreisen mich und wollen wohl nur sicher gehen, dass nicht ein verirrter Inuit (so bezeichnen sich diejenigen eskimoischen Volksgruppen, die imarktischen Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland leben. Quelle:Wikipedia) hier nach Beute sucht. Ich habe genug zu essen bei mir und lasse die Jungs in Ruhe. Wer Glück hat, kann hier sogar Kegelrobben beobachten, die mit bis zu 2,30 Meter noch umeiniges größer werden als Seehunde.

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Beste Zeit

Das hängt vom Wetter und den Gezeiten ab. Prinzipiell kann das ganze Jahr gepaddelt werden, wenn die Nordsee nicht zufriert, was sehr selten passiert. Am schönsten ist es aus Sicht des Autors aber in der Vor- und Nachsaison. Die Anzahl der Touristen ist vergleichsweise gering, und so kann man die Ruhe und Abgeschiedenheit der Strände am besten genießen. Wichtig für Tagestouren ist ablaufendes Wasser (Ebbe) am Morgen bzw. Vormittag. So nutztman die Strömung optimal und kommt mit der Flut wieder zurück.

Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in Ausgabe 02/2009 des kajak-Magazins.

 

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