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Die Jagst – Fluss durch geschichtsträchtige Landschaf

Dietrich Hub hat die Jagst, den größten Nebenfluss des Neckars, befahren. Auf seiner Tour entdeckte er so manchen Ort mit interessanter Historie, wo sich ein Landgang lohnt.

Die Jagst ist ein Mittelgebirgsfluss im Norden Baden-Württembergs und mit einer Länge von 189 Kilometern der längste Nebenfluss des Neckars. Das Tal der Jagst mit seinen vielen Kleinstädten, die weitgehend ihr mittelalterliches bis frühneuzeitliches Stadtbild bewahrt haben, hat insbesondere am Mittellauf einen ausgesprochen ländlichen Charakter und ist landschaftlich reizvoll. Zahlreiche Burgen und Schlösser auf den Anhöhen über dem Tal sowie Mühlen, die den Fluss säumen, prägen das Erscheinungsbild.

Für welchen Ausdruck der Herr aus Berlichingen an der Jagst bekannt wurde, sage ich unseren Töchtern noch nicht. Die paddeln fleißig vorwärts, und derlei Zitate gehören bislang noch nicht zu ihrem Wortschatz. Johann Wolfgang von Goethe, der dem Götz von Berlichingen ein literarisches Denkmal verlieh, lässt den Adligen aus dem Jagsttal in seinem Drama »Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand« sagen: »Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich am A...« Berlichingen ist heute ein unbedeutender Ort. Jagsthausen wiederum, dreieinhalb Kilometer jagstabwärts, ist durch die Freilichtspiele in der Götzenburg weithin bekannt geworden. Zwei weitere Schlösser – das Rote Schloss und das Weiße Schloss – gehören auch zum historischen Ensemble des Jagstdorfes. Durch einen Musketenschuss habe Götz seine rechte Hand verloren. Seine Metallprothese brachte ihm den Namen »Ritter mit der eisernen Hand« ein. Diese Hand aus Metall – angeblich die echte, die der 1562 verstorbene Reichsritter trug – kann man im Museum in der Götzenburg besichtigen. Auf unserer Kanutour auf der Jagst kommen wir an manchem geschichtsträchtigen Ort vorbei. Ein paar Kilometer weiter jagstaufwärts ging es in der damaligen Zeit wesentlich frommer zu als beim rauen Gesellen von Berlichingen. Vom 12. Jahrhundert bis zur Säkularisierung im Jahr 1803 lebten im Kloster Schöntal Zisterziensermönche. Heute dient die vollständig erhaltene Klosteranlage mit Barockkirche als katholisches Tagungshaus.

Die Jagst, der größte Nebenfluss des Neckars, ist ideal zum gemütlichen Wasserwandern. Die Landschaft ist recht abwechslungsreich. Am Flusslauf zwischen den Orten begegnet man abgesehen von Anglern kaum jemandem am Ufer. Ganz allein sind wir natürlich nicht: Radfahrer zu Lande, andere Kanus zu Wasser und Vögel in der Luft, aber es geht sehr gemächlich zu an und auf der Jagst. Mittels der Jagsttalbahn wurde 1902 dieser verschlafene Landstrich mit der Zivilisation in Heilbronn verbunden. Die Schmalspurbahn ist seit 1988 stillgelegt. Wer heute auf der Jagst paddelt, glaubt, dass diese Region in ihren Dornröschenschlaf zurückgefallen ist. Wunderschön sind die Badeplätze am Kloster Schöntal und in Jagsthausen. Vor allem Radfahrer, aber natürlich auch Kanuten liegen auf diesen Wiesen in der Sonne oder getrauen sich sogar zum Baden ins Wasser der Jagst.

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Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in Ausgabe 06/2010 des kajak-Magazins.

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