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Isar, die Reißende – Mit dem Luftboot von Krün nach München

Bei seinen Besuchen an der Isar hat Chris Reich den Alpenfluss als reißende Schönheit kennen gelernt – und sich in ihren Bann ziehen lassen. Was ihn auf seinen Touren mit dem Luftboot so fasziniert hat, schildert er hier.

Isar, die Reißende – welch treffende Bezeichnung für diesen vom Kalk türkis gefärbten und bisweilen recht sprudeligen Alpenfluss. Und während sich eigenes Erleben mit angeblich keltischer, fast poetischer Wortbedeutung mischt, ernüchtert die Recherche bei Wikipedia und führt zur Erkenntnis, das Isar sich wohl von der indogermanischen Wortwurzel »-es/is«, was schlicht Wasser bedeutet, herleitet. Das soll in Verkürzung heute noch z.B. in dem Wort Eis zu finden sein und Flüsse wie Eisack oder Issel könnten etymologisch gleichen Ursprungs entstammen. Egal, ein Strom zum Träumen und Schwärmen und nie langweilig.

Auf knapp 300 Kilometern Länge entwässert die Isar knapp 5.000 km Alpen(vor)land und leitet die Wassermassen via Donau dem Schwarzen Meer zu. Ein Grenzfluss auf dem schon in vorgeschichtlicher Zeit Waren aus südlichen Ländern und den Alpen selbst, auf der Donau bis nach Wien und Budapest gelangten. Ein alter Handelsweg durch das Inntal und über den Seefelder Pass wurde unter den Römern als Via Raetia bekannt und Mittenwald ein wichtiger Umschlagplatz. An den wenigen und strategisch wichtigen Brücken kam es zu Siedlungsbau, der Ursprung von Städten wie München und Landshut.

Flusscharakteristik: Von Krün bis zur Geschiebesperre vor dem fjordartigen Sylvensteinstausee durchfließt die Isar ein wildes, weites Tal. Der alpine Charakter wird durch den imposanten Anblick des Wettersteingebirges verstärkt, streckenweise kommt Alaska-Feeling auf. Da ab Krün bis auf eine geringe Restwassermenge alles Nass dem Walchensee zugeführt wird, ist der niedrige Wasserstand ein oft limitierender Faktor. Nach dem Sylvensteinstausee vor Lenggries verlässt die Isar den hochalpinen Raum und dank wieder vermehrter Wasserzufuhr und fehlenden Gerölls (Geschiebesperre) hat sich der Fluss hier ein recht tiefes Bett gegraben. Es gibt kleinere Stromschnellen (WW I) und einige interessante Einzelspots wie den Katarakt bei Lenggries (WW III+). Die Isar wird dann allmählich von einer hügligeren Endmoränenlandschaft empfangen, bei Bad Tölz (Rückstau E-Werk) zwischenzeitlich weitläufige Auenlandschaft und einzigartiges Vogelschutzgebiet. Dann recht flotte Strecke (WW I– II+) mit gelegentlichen Verblockungen, Sturzbäumen und Prallwänden. Vorsicht vor den scharfkantigen, knapp unter der Wasseroberfläche lauernden Resten der längst überspülten Kanalisierung (im Rahmen der Renaturierung) vor München. Hier geht es dann auch sichtbar steil wie in einer Achterbahn auf die Schotterebene zu. In der Pupplinger Au dann der archaische Spielplatz der Elemente, die Isar teilt sich hier in mehrere rasant fließende und sich ständig verändernde Arme auf. Gefahr durch Sturzbäume und Wurzelhindernisse. Ab etwa Wolfratshausen prägen Misch- und Auwälder das Bild, neben den ersten deutlicheren Markierungen der Zivilisation.

Etappe, Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten: Ein- und Aussetzpunkte gibt es in Krün, Vorderriß und an der Geschiebesperre. Am Sylvensteinstausse finden sich nur sehr beschwerliche Punkte, von einem Umtragen in die Isar Richtung Lenggries ist abzuraten. Guter Einsetzpunkt mit Parkplatz an der Isar nach dem Staudamm. Lengries und Bad Tölz bieten mehrere Einund Ausstiegspunkte, bis Wolfratshausen kommt dann erst mal nur noch Einöd in Betracht. Weitere Ausstiegsmöglicheiten (z.B. Grundwald) zum Teil wieder recht steil und beschwerlich.

Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in Ausgabe 05/2010 des kajak-Magazins.

 

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